Der Jüdische Friedhof in Fell

Das jüdische Recht verlangt, die Wohnungen der Toten und die der Lebenden voneinander zu

trennen. Der jüdische Friedhof liegt daher schon im Mittelalter außerhalb der Gemeinde bzw.

außerhalb der Stadtmauern. Hierbei handelt es sich um einen ganz grundsätzlichen Gegensatz

zum christlichen Begräbnisort, der sich innerhalb der Gemeinde bzw. der Stadtmauern

befindet. Auch der jüdische Friedhof in Fell war außerhalb des Dorfes angelegt und fand erst

in jüngerer Zeit eine Umschließung durch Häuser der Ortschaft. Zur Sicherung der Totenruhe

muss der Friedhof darüber hinaus mit einer Mauer, zumindest mit einer Hecke, symbolisch

umschlossen sein.

 

Er ist also ein Ort der ungestörten Ruhe für die Toten, und zwar für ewige Zeiten. Sowohl das

einzelne Grab als auch der Friedhof sind unantastbar, sind dauerhafte Heimat des

Verstorbenen. Der Friedhof darf nicht am Sabbat und an jüdischen Feiertagen besucht werden

-ein weiterer Unterschied zum christlichen Friedhof-, weil diese Tage als Freudentage und

nicht als Trauertage begangen werden sollen.

Auf dem 402qm großen jüdischen Friedhof in Fell sind noch 18 Grabsteine erhalten; der

älteste stammt aus dem Jahre 1799, der jüngste aus dem Jahre 1935. Der Kopf des

Verstorbenen liegt am Grabstein und dieser ist in der Regel nach Jerusalem ausgerichtet.

 

Anders als bei christlichen Friedhöfen legen die Angehörigen keine Blumen, sondern kleine

Steine auf den Grabstein. Der Brauch soll vom Auszug der Israeliten aus Ägypten herrühren,

als die Gräber der in der Wüste Bestatteten mit Steinen (z.B. vor Tieren) geschützt wurden.

Des Weiteren sind gelegentlich Bittzettel, sogenannte Kwitlech, auf den Grabsteinen zu

finden, welche mit den abgelegten Steinen beschwert werden.

 

Text: Andreas Lehnertz, Trier und Hermann Erschens, Leiwen